Katharina Struber


Picture the Multitude

picture the multitude folder – pdf

Piazza Navona Mi. 29. Okt 2008 &  Di. 16. März 2010 – © Katharina StruberPiazza Navona Mi. 29. Okt 2008 & Di. 16. März 2010

In der Arbeitsreihe “Picture the Multitude” werden Menschengruppen im urbanen öffentlichen Raum ins Bild gesetzt.

Der Begriff der Multitude bezeichnet eine Vielheit, die sich als facettenreiches Beziehungsgeflecht von der formlosen und formbaren Masse unterscheidet. Er spricht die Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit an, die sich nicht unter eine vereinheitlichende Repräsentation bringen lässt (vgl. Robert Foltin 2004, Und wir bewegen uns doch / Soziale Bewegungen in Österreich, S. 12). Dem “Volk” oder der Klasse dagegen wird ein einheitlicher Wille unterstellt, der oftmals auch propagandistisch in Szene gesetzt wurde und wird. Traditionelle Darstellungsformen des “Volkes” oder der Massen haben eine Bildersprache geprägt, in der Singularitäten meist als gesichtslose Gruppen, als lebendiges Ornament repräsentiert sind.
“Picture the Multitude” ist eine visuelle Annäherung an den Begriff der Multitude. Um die Vielschichtigkeit sichtbar zu machen wurde eine Darstellungsform entwickelt, die dem Beziehungsgeflecht gerecht wird und Singularitäten nicht im ornamentalen Massenbrei verkommen lässt. Durch den konzeptionellen Bruch mit photographischen und filmischen Techniken wird die Zentralperspektive aufgesplittert. So werden Details, Bewegungen, Zeitabläufe nachvollziehbar und gleichzeitig ergibt sich ein weitläufiger Blick auf die Architektur.

Der Arbeitsprozess beginnt mit Video-aufnahmen, die, einem strengen Raster folgend, über mehrere Stunden oder auch Tage den gewählten Ort abtasten. Aus tausenden chronologisch aufgenommenen 30 Sekunden dauernde Videoaufnahmen werden Standbilder entnommen und in einem aufwendigen digitalen Prozess zusammengefügt. Die Bilder bestehen aus etwa viertausend sorgsam ausgesuchten 13 x 18 cm Einzelbildern, die digital zu den Großformaten montiert werden.

Die Serie versteht sich als Bestandsaufnahme zum Einfluss von Architektur auf die Performance von Individuen und Massen im öffentlichen Raum. Gleich-zeitig wird ein Scheitern zweidimensionaler Medien an Raum und Zeit vermittelt.

Die entstandenen Bilder sind dynamisch und intim zugleich, unzählige fragmentierte Gesten, Gesichter, Körperteile und Details alltäglicher Momente fügen sich zusammen. Die Architektur gibt die Struktur vor, Menschen und bewegte Teile tauchen schattenhaft auf, verwachsen ineinander und mit den immobilen Teilen der Umgebung.

Radio Symphonieorchester Wien - DetailübersichtPiazza Navona – Detailübersicht

Radio Symphonieorchester Wien - DetailübersichtPiazza Navona – Detail